Titelstory Im Blickpunkt Straßenbau – Tiefbau

Auf dem Weg zum Rekordumsatz von 9,212 Milliarden Euro

Dass die Firmengruppe Liebherr mit mehr als 130 Gesellschaften in elf Sparten in diesem Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach »einen sehr erfreulichen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahresumsatz von 8,823 Mrd. Euro erwirtschaften wird«, führt Stefan Heissler, als Mitglied des Direktoriums der Liebherr International AG in Bulle (Schweiz) unter anderem für die Unternehmenskommunikation verantwortlich, auf eine positive Entwicklung in allen Sparten der Firmengruppe zurück. »Wir haben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres unseren Umsatz auf rund 4,4 Mrd. Euro erhöhen können, was einem Plus von etwas mehr als 2 % entspricht«, erklärte er bei der Presse­konferenz in Biggleswade nördlich von London. Liebherr ist da­mit wieder auf Wachstumskurs, nachdem man in den beiden zurückliegenden Jahren jeweils einen leichten Umsatzrückgang zu verzeichnen hatte.

Plus 19 Prozent bei Turmdrehkranen

Allerdings haben sich die einzelnen Bereiche sehr unterschiedlich entwickelt. So reicht die Bandbreite von einem »sehr erfreulichen Plus« (Heiss­ler) bei den Turmdrehkranen mit mehr als 19 % Zuwachs bis zu einem Umsatzminus von fast 14 % im Bereich Mining. In den Sparten außerhalb von Baumaschinen und Mining mit einem Gesamtumsatz von 2,651 Mrd. Euro in den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Liebherr ein Plus von knapp 4 % erzielt. Dazu beigetragen haben insbesondere die sehr positiven Entwicklungen in den Sparten Aerospace und Verkehrstechnik sowie Werkzeugmaschinen und Automationssysteme, so Heissler. Demgegenüber ging der Umsatz bei den Sonstigen Produkten und Leistungen zurück. Weitgehend auf Vorjahresniveau entwickelten sich die Maritimen Krane und die Hausgeräte.

Deutliches Minus in Osteuropa

Hinsichtlich der verschiedenen Absatzregionen ergibt sich ebenfalls kein einheitliches Bild, sagte Heissler. In Osteuropa ist der Umsatz um 21,1 % auf jetzt 302 Mio. Euro deutlich zurückgegangen. Auch in Afrika verzeichnete Liebherr ein Umsatzminus von 8,3 % auf 266 Mio. Euro. Diese Entwicklungen wurden durch Zuwächse in Amerika (+ 17,9 % auf 779 Mio. Euro) und im Nahen und Mittleren Osten (+ 22,5 % auf 185 Mio. Euro) aber mehr als ausgeglichen. Leicht über dem Vorjahresniveau lagen die Umsätze in Westeuropa (+ 1,7 % auf 2,233 Mrd. Euro) sowie in Fernost und Australien (+ 1,1 % auf 629 Mio. Euro).

Laut Stefan Heissler spiegelt sich die prognostizierte positive Entwicklung der Wirtschaft in Europa auch in der Prognose für die europäische Baubranche wieder. So erwarte Euroconstruct in diesem Jahr, dass die Aktivitäten im Baubereich in den Mitgliedsländern dieser Organisation um 1,9 % zunehmen werden und in den nächsten beiden Jahren sogar um 2,5 % steigen sollen.

»Insgesamt positiv«

»Sowohl der Baumaschinenbereich als auch der Bereich für andere Anwendungen werden sich nach unseren Schätzungen in 2015 insgesamt positiv entwickeln«, sagte Stefan Heissler. »Im Baumaschinenbereich gehen wir davon aus, dass sich insbesondere dieSparte Turmdrehkrane mit einer hohen Dynamik entwickeln wird. Auch die Sparten Erdbewegung und Fahrzeugkrane werden zulegen. In der Betontechnik wird sich der Umsatz voraussichtlich in der Größenordnung des Vorjahreswertes bewegen. Lediglich im Mining wird er wohl erneut sinken, denn die Krise in der weltweiten Gewinnungsindustrie ist immer noch nicht ganz vorüber.« In der Sparte Werkzeugmaschinen und Automationssysteme hingegen erwarte man »in diesem Jahr ein deutliches Plus«.

Deshalb rechne die Unternehmensgruppe Liebherr mit einer positiven Entwicklung in diesem Jahr, so Heissler. »Unsere Prognose für den Gesamtumsatz 2015 liegt aktuell bei 9,212 Mrd. Euro. Das wäre ein sehr erfreulicher Zuwachs im Vergleich zum Vorjahresumsatz.«


Wieder »auf einem hohen Niveau« werden sich die Investitionen bewegen. «Voraussichtlich werden wir in diesem Jahr rund 755 Mio. Euro in unsere Produktionsstätten und in Vertrieb und Service investieren«, sagte Stefan Heissler, der zudem darauf hinwies, dass die Zahl der weltweit Beschäftigten zum Jahresende von derzeit rund 41 000 auf etwa 42 000 leicht ansteigen werde.

»Wesentlicher Bestandteil« Bei der Vorstellung der Liebherr Great Britain Ltd. – die durch die Geschäftsführerin Claire Webber und ihre Kollegen Richard Everist und Lee Palmer repräsentiert wurde – betonte Stefan Heissler, dass diese als gemischte Vertriebs- und Servicegesellschaft »ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie von Liebherr« sei. Diese Art von Organisationsform ermögliche es, den Vertrieb und Service von ganz unterschiedlichen Sparten weltweit effektiv und effizient zu gestalten.

So ist es die Hauptaufgabe des Liebherr-Hauptsitzes im Vereinigten Königreich in Biggleswade, sagte Claire Webber, Vertrieb und Service für die Produkte der Sparten der Erdbewegung, Fahrzeugkrane, Turmdrehkrane, Betontechnik, Maritime Krane und Hausgeräte innerhalb des Vereinigten Königreichs und Irland anzubieten und zu koordinieren. Biggleswade ist die zentrale Adresse dreier Liebherr-Unternehmen, nämlich Liebherr-Great Britain Ltd., Liebherr Rental Ltd. und Liebherr Construction Equipment Ireland Ltd.

Nach dem Umzug 2004 an den Standort in ­Biggleswade habe man »ein beeindruckendes Wachstum realisieren können«, so Claire Webber. Während im Jahr 2005 in der Erdbewegungssparte nur 149 Einheiten im Vereinigten Königreich und Irland abgesetzt werden konnten, werde diese Zahl in 2015 bei fast 300 liegen. Ähnlich gut entwickelt habe sich der Markt für Mobilkrane, und zwar von 40 auf aktuelle 140 Einheiten. »In den vergangenen zehn Jahren haben wir unseren Umsatz um 68 % gesteigert und unsere Mitarbeiterzahl von 220 auf 350 erhöht.«Von Michael Wulf

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