Aktuelles Verkehrswegebau – Tiefbau

Ammann: Walzenführer mögen’s »smart«

Für den Qualitätsstraßenbau 4.0 braucht es nicht nur Maschinen, die digital miteinander kommunizieren, sondern auch Menschen, die diese Technologien bedienen können. Ein Maschinenführer berichtet über seine Erfahrungen in einer hochtechnisierten Ammann-Walze, die während des Projekts »Qualitätsstraßenbau Baden-Württemberg 4.0« im Einsatz war.

Volker Schneck ist seit 34 Jahren Walzenführer bei der Strabag. Als er seinen Beruf erlernte, verdichteten Straßenwalzen noch mit einfacheren technischen Hilfssystemen. Oszillation, automatische Verdichtungskontrolle, Maschinensteuerung – das war selbst Anfang der 1980er-Jahre noch Zukunftsmusik. Heute fährt Schneck hoch technisierte Walzen wie die APR95 von Ammann, die mit dem Ammann Compaction Expert System (ACEpro) ausgestattet ist. Diese Technologie umfasst ein automatisches Mess-, Kontroll- und Dokumentationssystem. Unterstützt durch GPS-Mapping können auch Daten über bereits verdichtete Flächen empfangen werden. Werte zur Tragfähigkeit des Materials, zur Anzahl der Überfahrten und zu Frequenz sowie Amplitude werden dem Maschinenführer auf dem Display direkt in der Kabine angezeigt. Dabei misst und analysiert ACEpro nicht nur, sondern passt Amplitude und Frequenz auch automatisch an.

Fingerspitzengefühl gefragt

Schneck hat noch gelernt, auch ohne diese Systeme auszukommen. Aber er wünscht sich diese Zeit nicht zurück, denn »der Umgang mit der Technik macht mir Spaß«, berichtet er. »Da ist Fingerspitzengefühl gefragt, man muss die Anzeigen richtig lesen können, die Informationen miteinander kombinieren und dann die richtigen Entscheidungen treffen.« Den Sprung auf die ARP95 mit ACEpro hat er leicht und ohne spezielle Einführung geschafft. »Maschine, Armaturen und Anzeigen sind sehr intuitiv bedienbar und alles ist sehr übersichtlich angeordnet.«

Er ist Teil der Strabag-Crew, die den letzten Bauabschnitt des Pilotprojekts »Qualitätsstraßenbau Baden-Württemberg 4.0« meistert. Heute wird die erste Tragschicht eingebaut, morgen folgt der Binder und übermorgen die Deckschicht. Sozusagen als letztes Glied der Kette fährt er die vorderste der vier Ammann-Walzen, die hinter dem Fertiger für die notwendige Verdichtung sorgen und damit das, was im Vorfeld unter geregelten Bedingungen eingebaut wurde, perfektioniert.


Die 9,5-t-Walze steuert er mit leichter Hand. Mal vorwärts, mal rückwärts, mal im Hundegang. In seiner Kabine sitzend muss er viele Dinge gleichzeitig im Blick behalten: die vor und hinter ihm liegende zu verdichtende Fläche nebst den drei anderen Ammann-Walzen, die sich ebenso wie er darauf bewegen. Außerdem die ACEpro-Verdichtungskontrolle, die ihm darüber Auskunft gibt, ob er die vorgegebene Sollverdichtungsleistung erreicht und die Maschinensteuerung von Topcon, die ihm zeigt, wie hoch die Asphalttemperatur ist, ob er schneller oder langsamer und wohin er fahren muss, um sich im Takt mit allen anderen Maschinen auf der Baustelle zu bewegen.

Prozesse sind miteinander verwoben

»Der richtige Takt ist auf dieser Baustelle entscheidend«, weiß Willi Reutter, Application Manager Heavy Equipment bei Ammann, zu berichten. Denn die Abläufe werden über das Cloud-System von Topcon synchronisiert. Alle Prozesse sind miteinander verwoben: von der Asphalt-Verladung des nahegelegenen Asphaltmischwerks, über die Anlieferung mit den Lkw, die Verarbeitung durch Beschicker und Fertiger, bis zur flächendeckenden Verdichtung mit den Ammann-Walzen. Ziel des Projekts »Qualitätsstraßenbau Baden-Württemberg 4.0« ist es, den Einbau und die Verdichtung des Asphalts bei ausreichend heißer und möglichst gleichmäßiger Temperatur zu gewährleisten, um eine höhere Qualität und längere Lebensdauer der Straßen zu erreichen. »In den drei Jahren des Projekts haben alle Beteiligten viel voneinander gelernt«, so Reutter. »Prozesse wurden optimiert und die Technologien noch feiner aufeinander abgestimmt. Damit ist der Grundstein für die Baustelle 4.0 gelegt und jetzt kann der Rollout in die kommenden Baustellen beginne.«

Viel schneller als früher

Schneck und seine Kollegen sind für den Qualitätsstraßenbau 4.0 bereit. Durch die kontinuierliche Messung des Systems weiß der Maschinenführer genau, wann der erforderliche Verdichtungsgrad wo erreicht ist. »Das geht viel schneller als früher und ist auch sicherer. Denn die Anzeigen sind eindeutig, man kann sich sehr gut darauf verlassen. Ein Überverdichten kann dann gar nicht mehr passieren«, so Schneck. »Die Verdichtungswerte der Maschine sind klasse – und mit dieser Technologie sind wir auch schneller fertig als früher.« Wie die Ergebnisse des Vorgängerprojekts SmartSite – durch das Bundeswirtschaftsministerium finanziert – beweisen, halten sie auch länger. Das Projekt »Qualitätsstraßenbau Baden-Württemberg 4.0« wurde als Anschlussauftrag von SmartSite (das bau­MAGAZIN berichtete in den Heften 11/17, Seite 49 und 11/16, Seite 24) durch das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg vergeben. Volker Schneck ist stolz darauf, Teil dieses Pilotprojekts gewesen zu sein, und freut sich auf die smarte Zukunft, de seinen Beruf gleichzeitig anspruchsvoller und einfacher werden lässt.    §

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